BKS Iyengar, 1976 (Foto: Yoga Journal, USA)

B.K.S. IYENGAR

Michelangelo des Yoga“ und „König der Yogis“ genannt, von Time Magazine (USA) als einer der 100 weltweit einflussreichsten Menschen ausgewählt, ist B.K.S. Iyengar als größter Yoga-Lehrer unserer Zeit allgemein anerkannt.

Yogacharya (Yogameister) Iyengar brachte Yoga in den 60er und 70er Jahren in den Westen, wo sein fortschrittlicher und einzigartiger Unterricht maßgeblich zum heutigen Erfolg des Yoga beigetragen hat. Sein Meisterwerk „Licht auf Yoga“ ist für Generationen von Yoga-Schülern das Quellenwerk gewesen und gilt als Hauptnachschlagewerk bis heute. Im Laufe der Jahre sind seine Bücher auch auf Deutsch erschienen, zuletzt „Licht fürs Leben“ (2007) und „Mein Yoga“ (2009).

Iyengar-lachend400Vira1Mr. Iyengar‘ s Erfindung von Yoga-Hilfsmitteln - die heutzutage in Yoga-Studios auch vieler anderer Traditionen nicht wegzudenken sind - revolutionierte die Kunst des Yoga. Der sachgerechte Einsatz von Klötzen, Decken, Gurten und anderen Hilfsmitteln befähigt jeden Schüler - trotz etwaiger körperlicher Einschränkungen -, die Yoga-Haltungen einzunehmen. Das längere Verweilen in der Haltung wird begünstigt, was ein stärkeres Durchdringen des Übenden in die Haltung bewirkt und zu einer tiefen körperlichen und spirituellen Erfahrung führt.

Ebenso revolutionierte Mr. Iyengar die Yoga-Therapie, welche heute als Behandlungsmethode bei Verletzungen und vielen ernsthaften Erkrankungen eingesetzt wird. Die von ihm entwickelten Haltungssequenzen für Schwangerschaft, Menstruation und Menopause werden heute überall von zertifizierten Lehrern unterrichtet.

 

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Jatara Parivartanasana, ca. 1975
Virabhadrasana I, ca. 1980
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Unterricht in Pune, deutsche Gruppe, 1991
mit Michael, 1991

 

Guruji Iyengar ist am 20. August 2014 im Alter von 95 Jahren gestorben. (s. Nachruf, unten). Seine Tochter, Geeta S. Iyengar, und sein Sohn, Prashant S. Iyengar, sind in seine Fußstapfen getreten und führen sein Lebenswerk am Ramamani Memorial Yoga Institute in Pune, Indien fort.

 

Geetaji ist Autorin von Yoga für die Frau, einem wegweisenden Buch über Yoga für jede Phase im Leben einer Frau. Auch Prashantji hat ausführlich über Yoga geschrieben.

 

Zum Tod von B.K.S. Iyengar

Liebe Iyengar-Yoga-Übende!

Liebe Schüler, Schülerinnen und Freunde!
Yogacharya B.K.S. Iyengar – unser Guruji -
hat seinen sterblichen Körper
am Mittwoch, den 20. August um 3:15 Uhr morgens indischer Zeit verlassen.
Als er an seinem 95. Geburtstag gefragt wurde,
ob er eine besondere Botschaft für die Menschen hätte, meinte er:
„Lebe glücklich und sterbe majestätisch.“

Bei der Zeremonie zur Einäscherung sagte Geeta Iyengar:
„Only his body has ended. One person‘s efforts, from inside out, changed the acceptance of yoga throughout the world. Nothing was hidden, from the time he began to practice, to his illness and death. Even last night he was telling Abhijata,
„I have shown you all these things, now realize them for yourself.“
What he has given cannot be encompassed by words.
If a disciple is more developed, then that person will understand.
What can be said in words, is that he was precious to us.“

Bellur Krishnamachar Sundaraj (B.K.S.) Iyengar, einer der bedeutendsten und einflussreichsten Lehrer des Yoga, ist am 20. August 2014 in seiner Heimatstadt Pune, Indien nach kurzer Krankheit gestorben. Er wurde 95 Jahre alt. Sri Iyengar schrieb das Lehrbuch „Licht auf Yoga“ (1966) und dokumentierte damit seine eigene unerhört tiefgründige Asana- und Pranayamapraxis. Das Werk sollte weltweit als Meilenstein in der Popularisierung von Yoga gelten und trägt noch heute hierzu bei. Es folgten andere Werke („Baum des Yoga“, „Licht auf Pranayama“, „Licht auf die Yoga Sutras von Patanjali“ u.a.m.), die seinen Ruf als Yoga-Übenden, als Yoga -Pädagoge und als spirituellen Meister untermauern. Prominente Schüler wie Esoteriker J. Krishnamurti und Musiker Yehudi Menuhin machten ihn schon in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts allgemein in Indien und im Westen bekannt. Mit der Zeit haben Tausende seine Lehre aus erster Hand erfahren und zusammen mit ihm diese als „Iyengar-Yoga“ auf der ganzen Welt etabliert. In den letzten Jahren bekam B.K.S. Iyengar für sein Lebenswerk allgemeine Anerkennung („der Michelangelo des Yoga“, BBC; „einer der 100 einflussreichsten Menschen der Welt“, Time Magazine, USA; und noch in diesem Jahr das „Padma Vibhushan“, die zweithöchste Zivilorden des Staates Indiens).
Mr. Iyengars Weg zum Yoga führte über Krankheit und Verzweiflung. Mit 14 Jahren sehr schwach und wegen diverser Leiden angeschlagen, ist er von der verarmten Familie zu seinem Schwager, Sri. T. Krishnamachar gezogen. Dieser hat der fürstlichen Familie Yoga unterrichtet und führte eine Schule im Palast in Mysore. Iyengar sollte mit Yoga-Haltungen seine Gesundheit verbessern, was über mehrere Jahre nach und nach geschah. Mit 18 bekam Iyengar einen Auftrag an einer Mädchenschule in Pune zu unterrichten. Seit diesem Zeitpunkt war er auf sich selbst gestellt. Nach größeren anfänglichen Schwierigkeiten machte er mit der Zeit einen Namen für sich. Er selbst berichtete von mehr als 10.000 dreistündigen Yoga-Vorführungen, die er im Laufe seiner Karriere veranstaltete.
10172615 814819765241551_732096132971488800_nMr. Iyengar heiratete Ramamani im 1943, die 1973 verstarb. Sechs Kinder kamen zur Welt, fünf Töchter und ein Sohn. Die älteste Tochter Geeta und der Sohn Prashant haben in frühen Jahren die Aufgabe angenommen, sich in Yoga zu vertiefen und sind längst ihrerseits international anerkannte Yoga-Meister. Sie leiten schon seit geraumer Zeit das im Jahr 1975 gegründete Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute in Pune und erfahren jetzt Unterstützung aus der nächsten Generation von Enkelin Abhijata Sridhar-Iyengar, die sich ebenfalls schon zu einer Autorität in der Iyengar-Yoga-Welt entwickelt hat.
Nach den ersten Besuchen im kleinen Kreis hat Mr. Iyengar später Europa oft als Gast seiner nationalen Vereine besucht. Nachdem die erste „Internationale Iyengar Yoga Convention“ in San Francisco schon 1984 sowie ein paar mal noch andere große Veranstaltungen in den USA stattfanden, kam das erste Großereignis in Europa 1993 zustande. Damals reisten mehr als 1000 Übende nach London, um über 5 Tage die Gemeinschaft zu zelebrieren und auch neue Impulse des Meisters zu erleben. In Deutschland war Iyengar einmal schon 1986 im kleineren Rahmen in München und dann 1996 für viele Hunderte aus Deutschland und anderen Ländern in Berlin. Sein hiesiger Verein „Iyengar-Yoga-Deutschland e.V.“ wurde 1994 gegründet. Dieser Zusammenschluss versucht Energien der InteressentInnen zu bündeln, Arbeit der LehrerInnen zu koordinieren und Iyengar-Yoga in der Qualität, die von Guruji gemeint war, der Öffentlichkeit besser bekannt zu machen.
Was sind kurz die Merkmale von Iyengar-Yoga? Worum ging es Guruji Iyengar in seiner Praxis?
• Wichtigkeit der Ausrichtung des Körpers und die Entwicklung vom Körperbewußtsein – Der Versuch den Geist zu bändigen, ohne vorher einen Griff auf den eigenen Körper zu bekommen, wäre ein hoffnungsloses Unterfangen.
• Erkenntnis über Verbindungen im Körper - z.B. wie Festigkeit, Durchlässigkeit und Erdung der Beine die Wirbelsäule entlasten und den Energiefluss verbessern können.
• Betonung auf den inneren Impuls („action“) im Asana, nicht auf Bewegungen oder „Flow“ – Im Verweilen in einer Haltungen kommen wir an den Punkt, „wo der Geist als Brücke zwischen den Muskelbewegungen und den Sinnesorganen in Erscheinung tritt, den Intellekt herbeiruft und diesen mit jedem Teil des Körpers verbindet.“
• Verwendung von Hilfsmitteln (Gurte, Kissen, Blöcke, Stühle, Seile etc.) in der Praxis
- um Schwierigkeiten auszugleichen
- um ein längeres Verweilen zu ermöglichen.
Durch längeres Verweilen dringen die Wohltaten der Praxis tiefer in die organischen und mentalen Ebenen hinein.
• „Yoga ist für jeden!“ – Mr. Iyengar hat von der Jugend bis zu seinem Tod weiter geübt. Seit Anbeginn an hat er nach Wegen gesucht, Yoga den Menschen bei ihren unterschiedlichen Konstitutionen, in ihren unterschiedlichen Lebens-Situationen möglich und zugänglich zu machen. In

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Iyengar-Yoga gibt es u.a:
-die dynamische, stabilisierende Praxis für „normale“ Leistungsfähige
- die „Jumpings“ (Sprünge, Surya Namaskar, Flow) für Überschäumende
- Yoga als „einen Juwel für Frauen“ (Menstruationspraxis, Schwangerenyoga, Yoga für Menopause)
- die regenerative Praxis (gestützt und langgehaltene, öffnende und erdende Haltungen für Erschöpfte, Ältere, Ruhebedürftige
- die liegende Pranayama-Praxis als Vorbereitung auf eine ungemein anspruchsvolle sitzende Praxis; für Neue (nach 1-2 Jahren Asana)
- die „Medical class“ mit unzähligen (auch teilweise schulmedizinisch dokumentierten) Programmen für Kranke, Verletzte, Leidende. (S. http://www.iyengar-yoga-deutschland.de/iyengar-yoga/copy_of_forschung-und-literatur )
Nach 1960 hat sich Guruji Iyengar zunehmend mit der Spiritualität des Yoga auseinandergesetzt. Einsichten aus den klassisch indischen Werken (Bhagavad Gita, Upanischaden, Hatha-Yoga-Pradipika und insbesondre Patanjali Yoga Sutra) hielt er stets im Hintergrund beim Unterrichten bereit, um sie als Sprungbretter für die Schüler einzusetzen, damit diese tiefer das Erlebnis in der Asana- und Pranayamapraxis begreifen. Seine Reflektionen zu den Yoga Sutras (deutsche Fassung: „Urquell des Yoga“) stellen einen wichtigen Beitrag zum umfassendes Verständnis von Asana als einheitliches Körper-Geist-Seele-Erlebnis.

B.K.S. Iyengar hat sich über 80 Jahre für Yoga und die Weitergabe von Yoga und yogischen Werten eingesetzt. Als er in späteren Jahren zum bescheidenen Wohlstand kam, förderte er freigebig mit allem, was er hat, den Aufbau seines Heimatdorfes, das bis dahin lange darnieder gelegen hat. Eine Schule und ein Krankenhaus ließ er errichten. Die Wiederherstellung eines verfallenen Shiva-Tempels und den Bau des ersten Patanjali-Tempels und anderes mehr hat er angetrieben. Seine einzige Bedingung war, dass in der Schule auch Yoga unterrichtet werden soll.
Nach seinem Tod erzählte Geeta Iyengar bei der Zeremonie zur Einäscherung: „Nur mit seinem Körper ist es vorbei. Die Bemühungen einer einzigen Person, von innen nach außen, haben die Sicht der ganzen Welt auf Yoga geändert. Nichts blieb im Verborgenen seit den Anfängen seiner Praxis bis zu seiner Krankheit und seinem Tod. Sogar gestern Abend hat er Abhijata ermahnt: ‚Ich habe dir all diese Dinge gezeigt. Nun liegt es an Dir, sie für dich selbst zu realisieren.‘
In der letzten Phase zeigte er sich mit seinem Erfolg zufrieden. Seine Arbeit hatte er getan.
Sein Wunsch an uns sei, wenn wir ihn ehren wollen, dass wir uns stets wachsam, ernsthaft und demütig in die Praxis begeben, denn die Körpererfahrung ist das Substrat, in dem unsere emotionale und spirituelle Entwicklung stattfände.

Michael Forbes

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