Iyengar-Yoga

Es gibt viele Arten von Yoga, die alle auf altertümliche spirituelle Praktiken Indiens zurückgehen. Die Tradition, die den meisten Westlern zuspricht, ist Hatha-Yoga. Dieser beinhaltet Körperhaltungen (Asanas) sowie Atemtechniken (Pranayama) u.a.. Hatha-Yoga ist primär eine Methode, um spirituelle Erfüllung zu erlangen. Nebenwirkungen sind ein gesunder Körper und ein friedvoller Geist. Über die Jahrhunderte hat es viele verschiedene Interpretationen dieser indischen Übungspraxis gegeben.

BanjanBaumIn jüngster Zeit, also seit dem späten 19. Jahrhundert, kamen diverse Yoga-Meister in den Westen und haben ihre jeweilige Interpretation von Yoga den hiesigen Schülern mitgeteilt. Diese Schüler haben ihrerseits dann Schulen und Institute in Europa und Amerika gegründet. Nun gibt es Schulen, die Astanga-Yoga, Bikram-Yoga, Jivamukti-Yoga, Power-Yoga, Iyengar-Yogasowie viele andere Stile vermitteln. All diese Stile sind Hatha-Yoga, doch sind sie jeweils eine eigene Interpretation einer einzigen Sache.

Menschen bestehen aus drei Elementen: Körper, Geist und Seele. Entsprechend haben sie drei Bedürfnisse, die für ein zufriedenes Leben gestillt werden müssen: der Körper braucht Gesundheit; der Geist braucht Wissen; die Seele braucht inneren Frieden. Wenn alle drei vorhanden sind, besteht Harmonie.

Die moderne Gesellschaft steht bezüglich dieser drei Aspekte Problemen gegenüber. Der heutige Lebensstil ist mit seinen vielen technologischen Wundern ein gemischter Segen. Bequemlichkeit und Schnelligkeit werden auf Kosten der körperlichen Gesundheit gekauft. Arbeitssparende Gerätschaften verringern allgemein den Einsatz des Körpers im Alltag, was Steifheit und muskuläre Schwäche mit sich bringt. Bewegungsmangel führt zu Rückenschmerzen, Nackenproblemen, Schwere in den Gliedern und Schwierigkeiten beim Gehen. Ausgiebiger Gebrauch von visuellen Medien (Fernseher und PC) verursacht Kopfschmerzen und Stress für die Augen.

Die mentalen Sorgen einer wettbewerbsbetonten Welt entleeren die inneren Reserven und laden so stressbedingte Probleme ein wie Schlaflosigkeit, Verdauungsstörungen und Beschwerden im Nerven- oder Atmungssystem. Wenn dieser Druck nicht durch Zeit für Ruhe und Reflektion ausgeglichen wird, wird so die Lebensqualität beeinträchtigt.

Yoga hilft bei all diesen Problemen.

Auf der körperlichen Ebene lindert er das Leiden von unzähligen Krankheiten. Das Üben der Körperhaltungen kräftigt den Körper und verleiht ihm Wohlgefühl.BKS_Bhekasana

Psychologisch gesehen schärft Yoga den Intellekt und verbessert die Konzentration. Er stabilisiert die Emotionen und ermutigt zu einem fürsorglichen Interesse am Gegenüber. Vor allem verleiht er Hoffnung. Das Üben der Atemtechniken schafft Ruhe im Geist. Die Philosophie des Yoga setzt das Leben in Perspektive. Im Spirituellen bringt Yoga Bewusstsein und die Fähigkeit, still zu sein. Durch die Meditation kann innerer Frieden erlebt werden. So ist Yoga eine praktische Philosophie, die sich mit jedem Aspekt des Menschen befasst. Es lehrt die Evolution des Individuums durch die Entwicklung von Selbstdisziplin und Selbstbewusstsein. Jeder kann Yoga üben, ungeachtet seines Alters oder gesundheitlichen Zustands, seiner Lebenslage oder Religion.

Yoga wurde vor etwa 2000 Jahren von einem Weisen namens Patanjali kodifiziert in seinem WerkYoga-Sutra. Dieses Werk wird heutzutage von jedem Yoga-Übenden als der maßgebende Text über Yoga angesehen.

Patanjali - Vater des Yoga

Patanjali’s Yoga besteht aus acht Gliedern:

  •      Yama – Universelle ethische Disziplinen (Umgang mit der äußeren Welt)
  •      Niyama – Regeln für das eigene Verhalten (Umgang mit der inneren Welt)
  •      Asana – Das Üben von Körperhaltungen
  •      Pranayama – Das Üben bestimmter Atem-Techniken
  •      Pratyahara – Herrschaft über die Sinnesorgane
  •      Dharana – Herrschaft über den Geist
  •      Dhyana – Meditation
  •      Samadhi – Das Aufgehen ins Unendliche

Augenblicke des Erlebens der höheren Glieder können auf jedem Niveau und bei jedem Glied der Praxis entstehen, was das Üben über den Bereich des körperlich/mentalen Bemühens hinaushebt.

Yoga ist auf einem Fundament von Ethik (Yama) und persönlicher Disziplin (Niyama) aufgebaut. Dies sind universelle Richtlinien, die in allen Gesellschaften vorkommen. Darum kann aus praktischer SichtAsana als Beginn des Yoga angesehen werden.

Jedes Glied bildet ein Teil des Ganzen. Zudem lehrt uns die Tradition, dass, auch wenn man Großes in Yoga erreicht hat, zugunsten der Gesundheit des Körpers das Üben von Asana und Pranayama fortgesetzt werden soll.

Vereinbaren Sie telefonisch einen Termin. Das Studio hat alle Hilfsmittel (Matte, Decke, Gurt etc.) zum Üben vorhanden. Tragen Sie bewegungsfreundliche Kleider, möglichst konturnah und barfuß (Socken für Frierende nur für die Schlussentspannung). Wenn Sie gesundheitliche Probleme haben (Operation in letzter Zeit, Bluthochdruck oder einen niedrigen Blutdruck, Herzprobleme, Rücken-, Nacken- oder Knieprobleme, Menstruationsbeschwerden usw.), so melden Sie dies Ihrem Lehrer. Sie sollten 2-4 Stunden vor dem Unterricht nicht mehr essen.

Iyengar-Yoga erkennt man an der Präzision und Ausrichtung beim Üben der Haltungen Sirsasana_Michael(Asanas), an der bewusst gestaltete Reihenfolge der Haltungen, die zu einem bestimmten Ziel führen soll, an das Timing, also die Verweildauer und dem Rhythmus in den Haltungen sowie an der Verwendung von Hilfsmitteln in manchen Situationen, um dem Schüler zu einer optimalen Erfahrung in der Haltung zu verhelfen. Durch Hilfsmittel wird nicht nur ein Teil des Körpers zu einem anderen ausgerichtet, sondern der ganze Körper lernt besser zu funktionieren. Wenn der Körper präzise ausgerichtet ist, dann wird auch der Atem genauso fein gestimmt. Wenn der Atem in Balance ist, dann kommen auch Geist, Emotionen und Sinne ins Gleichgewicht.

Das Unterrichten der Haltungen in einer Iyengar-Yoga-Stunde ist im Wesentlichen auf der ganzen Welt gleichbleibend. Der Lehrer unterrichtet die Haltungen, die er für sein Ziel ausgewählt hat, aber die Art des Unterrichtens ist überall gleich. Das heißt, dass ein Schüler zu jedem Iyengar-Yoga-Lehrer gehen und sich sofort in die Gruppe eingliedern kann.

Parsvakonasana_MargaretaIm Allgemeinen fängt die Stunde mit einem Augenblick Stille an, um sich auf die Praxis einzustimmen. Es folgen einige vorbereitende Haltungen, um den Körper zu aktivieren und einen Zustand der Konzentration im Geist zu fördern. Stehhaltungen werden häufig geübt, in denen man die grundlegende Ausrichtung und wichtigsten Korrekturen des Körpers lernt. Diese müssen verinnerlicht werden, bevor fortgeschrittenere Haltungen gemeistert werden können. Stehhaltungen bilden auch das Fundament der allerschwierigsten Haltungen und müssen kontinuierlich geübt werden.

Die Praxis könnte dann auf besondere Kategorien kommen, z.B. Rückbeugen, noch mehr Stehhaltungen, Vorwärtsbeugen, Umkehrhaltungen oder regenerative Haltungen. Pranayama (da geht es um Atem- und Entspannungstechniken) wird normalerweise in einer speziell zu diesem Zwecke gestaltete Stunde geübt. Schüler beginnen i.d.R. nach zwei Jahren normaler Asana-Praxis mit Pranayama, obwohl einige grundlegende Pranayama-Übungen in die Schlussentspannung einer normalen Asana-Stunde eingebaut werden können. Eine Stunde endet mit regenerativen und aufbauenden Haltungen.

Trikonasana_MichaelHäufig wird eine Serie von Yoga-Stunden aufgestellt, um bestimmte Sorten von Haltung in einem durchgehenden monatlichen Schema einzuüben:

  • 1. Stehhaltungen
  • 2. Vorwärtsstreckungen
  • 3. Rückbeugen
  • 4. regenerative Haltungen.

Der hohe Kompetenz und Trainingsstand der Lehrer ermöglicht einen für die Schüler sicheren Unterricht. Viele Schüler verlassen eine Iyengar-Yoga-Stunde und meinen jetzt aufrechter zu stehen und voller Energie zu sein, obwohl ziemlich deftig gearbeitet worden ist.

 

Bei einer regelmäßigen, geführten Praxis stellt sich das allgemeine Gefühl von körperlicher Gesundheit und psychologischem und mentalem Wohlbefinden ein. Das soll nicht heißen, dass keine Krankheiten mehr auftreten können. In diesem Falle kann es aber gut sein, dass Yoga einem hilft, dem Problem bewusster zu begegnen und besser mit ihm zurechtzukommen. Die Konzentration von Iyengar-Yoga auf die körperliche Ausrichtung kann strukturelle Probleme in der allgemeinen Körperhaltung verbessern. Er kann auch emotionale Spannungen lösen. Yoga ist fordernd und verlangt Konzentration auf die Details der Haltung, was Sammlung und Konzentration im Geist steigert. Dies wiederum kann Geist und Körper vom Stress befreien. Er kann helfen, eine tiefere Kenntnis von sich selbst zu entwickeln, was gesteigertes Selbstvertrauen mit sich bringt.

 

Iyengar-Yoga ist fest auf der Basis der Yoga-Sutras von Patanjali gegründet, der vor etwa 2000 Jahren gelebt hat. Es handelt sich in den einzeiligen Aussagen der Yoga-Sutras um die gelebte Realität eines Menschen und seine Bewußtseinsstruktur, um mentalen Frieden, Harmonie, die Linderung vom seelischen Leiden und schließlich um die ultimative Wonne (Samadhi). Diese Philosophie wird in mehreren Büchern von Mr. Iyengar erläutert. Die einfachste Erklärung beinhaltet wohl die Einleitung zu „Licht auf Yoga„.

Iyengar-Yoga ist für jeden, unbeachtet seines Alters, Geschlechts, seiner Gesundheit, ParivrttaHastaPadasana_MichaReligion oder Lebensverhältnisse. Iyengar-Yoga ist nicht wetteifernd. Sie werden nicht mit anderen Menschen verglichen, Sie werden nicht benotet. Eine markante Eigenschaft des Iyengar-Yoga ist der Einsatz von Hilfsmitteln („Props“), um dem Schüler die Entwicklung von Kraft, Flexibilität und Stabilität in einer bestimmten Haltung vollends zu ermöglichen. So kann der Schüler auch in einer Gruppe mit unterschiedlichen Erfahrungsgraden sein ganzes Potential realisieren. Iyengar-Yoga-Lehrer sind darin ausgebildet, das richtige Hilfsmittel zu wählen und es korrekt einzusetzen.

Mr. Iyengar hat bemerkenswerten Erfolg erzielt in der Behandlung von einer ganzen Bandbreite von gesundheitlichen Problemen, vom Geh-Apparat bis hin zu emotionalen Störungen. Viel von seinem Wissen hat er an seine Schüler weitergereicht. Diese Arbeit ist den fortgeschrittenen Lehrern vorbehalten. (S. bitte den Kurs „Yoga bei gesundheitlichen Problemen“ unter Leitung von Michael Forbes und Margareta Eckl im aktuellen Kursplan.) Zertifizierte Iyengar-Yoga-Lehrer werden wissen, in welchen Fällen sie kompetent sind und helfen können. („Heilen“ und „Therapieren“ dürfen in Deutschland aus Gesetzes Sicht nur Mitglieder der staatlich anerkannten Heilberufen.) S. Yoga bei gesundheitlichen Problemen

Ropes3xMenschen aus vielen verschiedenen Glaubensgemeinschaften üben Yoga. Iyengar-Yoga-Lehrer werden keine Glaubensrichtung propagieren. Yoga stammt jedoch aus der hinduistischen Tradition und es kann sein, dass man auf die Quellen von Ideen oder auf Namen der Haltungen hinweist, um die Hintergründe besser zu erklären.

Generell sollte sich die Frau zurücknehmen und regenerativ üben, Umkehrhaltungen vermeiden und sich erholen. Für detailliertere Ausführungen siehe bitte Geeta Iyengar’s Mitteilung von 2003:

S. Bezüglich Menstruation – Frage-Antwort mit Geeta Iyengar

Zunächst ist inniges Üben erforderlich, sowohl selbstgeführt wie auch unter Anleitung. Die aktuellen Statuten für akkreditierte Ausbildungen in Deutschland setzen 3 Jahre Unterricht in Iyengar-Yoga voraus, bevor man mit der förmlichen Ausbildung zum zertifizierten Iyengar-Yoga-Lehrer beginnen soll, die wiederum 3 bis 4 Jahre dauert. S.  Ausbildung des Studios zum zertifizierten Iyengar-Yoga-Lehrer.

Iyengar1976B.K.S. IYENGAR

Michelangelo des Yoga“ und „König der Yogis“ genannt, von Time Magazine (USA) als einer der 100 weltweit einflussreichsten Menschen ausgewählt, wurde B.K.S. Iyengar als größter Yoga-Lehrer unserer Zeit allgemein anerkannt.

Yogacharya (Yogameister) Iyengar brachte Yoga in den 60er und 70er Jahren in den Westen, wo sein fortschrittlicher und einzigartiger Unterricht maßgeblich zum heutigen Erfolg des Yoga beigetragen hat. Sein Meisterwerk „Licht auf Yoga“ ist für Generationen von Yoga-Schülern das Quellenwerk gewesen und gilt als Hauptnachschlagewerk bis heute.

Mr. Iyengar‘ s Erfindung von Yoga-Hilfsmitteln – die heutzutage in Yoga-Studios auch vieler anderer Traditionen nicht wegzudenken sind – revolutionierte die Kunst des Yoga. Der sachgerechte Einsatz von Klötzen, Decken, Gurten und anderen Hilfsmitteln befähigt jeden Schüler – trotz etwaiger körperlicher Einschränkungen -, die Yoga-Haltungen einzunehmen. Das längere Verweilen in der Haltung wird begünstigt, was ein stärkeres Durchdringen des Übenden in die Haltung bewirkt und zu einer tiefen körperlichen und spirituellen Erfahrung führt.

Ebenso revolutionierte Mr. Iyengar die Yoga-Therapie, welche heute als Behandlungsmethode bei Verletzungen und vielen ernsthaften Erkrankungen eingesetzt wird. Die von ihm entwickelten Haltungssequenzen für Schwangerschaft, Menstruation und Menopause werden heute überall von zertifizierten Lehrern unterrichtet.

Guruji Iyengar ist am 20. August 2014 im Alter von 95 Jahren gestorben. (s. Nachruf, unten). Seine Tochter, Geeta S. Iyengar, und sein Sohn, Prashant S. Iyengar, sind in seine Fußstapfen getreten und führen sein Lebenswerk am Ramamani Memorial Yoga Institute in Pune, Indien fort.


Zum Tod von B.K.S. Iyengar


Liebe Iyengar-Yoga-Übende!
Liebe Schüler, Schülerinnen und Freunde!
Yogacharya B.K.S. Iyengar – unser Guruji –
hat seinen sterblichen Körper
am Mittwoch, den 20. August 2014 um 3:15 Uhr morgens indischer Zeit verlassen.
Als er an seinem 95. Geburtstag gefragt wurde,
ob er eine besondere Botschaft für die Menschen hätte, meinte er:
„Lebe glücklich und sterbe majestätisch.“

Bei der Zeremonie zur Einäscherung sagte Geeta Iyengar:
„Only his body has ended. One person‘s efforts, from inside out, changed the acceptance of yoga throughout the world. Nothing was hidden, from the time he began to practice, to his illness and death. Even last night he was telling Abhijata,
„I have shown you all these things, now realize them for yourself.“
What he has given cannot be encompassed by words.
If a disciple is more developed, then that person will understand.
What can be said in words, is that he was precious to us.“


Bellur Krishnamachar Sundaraj (B.K.S.) Iyengar, einer der bedeutendsten und einflussreichsten Lehrer des Yoga, ist am 20. August 2014 in seiner Heimatstadt Pune, Indien nach kurzer Krankheit gestorben. Er wurde 95 Jahre alt. Sri Iyengar schrieb das Lehrbuch „Licht auf Yoga“ (1966) und dokumentierte damit seine eigene unerhört tiefgründige Asana- und Pranayamapraxis. Das Werk sollte weltweit als Meilenstein in der Popularisierung von Yoga gelten und trägt noch heute hierzu bei. Es folgten andere Werke („Baum des Yoga“, „Licht auf Pranayama“, „Licht auf die Yoga Sutras von Patanjali“ u.a.m.), die seinen Ruf als Yoga-Übenden, als Yoga -Pädagoge und als spirituellen Meister untermauern. Prominente Schüler wie Esoteriker J. Krishnamurti und Musiker Yehudi Menuhin machten ihn schon in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts allgemein in Indien und im Westen bekannt. Mit der Zeit haben Tausende seine Lehre aus erster Hand erfahren und zusammen mit ihm diese als „Iyengar-Yoga“ auf der ganzen Welt etabliert. In den letzten Jahren bekam B.K.S. Iyengar für sein Lebenswerk allgemeine Anerkennung („der Michelangelo des Yoga“, BBC; „einer der 100 einflussreichsten Menschen der Welt“, Time Magazine, USA; und noch in diesem Jahr das „Padma Vibhushan“, die zweithöchste Zivilorden des Staates Indiens).
Mr. Iyengars Weg zum Yoga führte über Krankheit und Verzweiflung. Mit 14 Jahren sehr schwach und wegen diverser Leiden angeschlagen, ist er von der verarmten Familie zu seinem Schwager, Sri. T. Krishnamachar gezogen. Dieser hat der fürstlichen Familie Yoga unterrichtet und führte eine Schule im Palast in Mysore. Iyengar sollte mit Yoga-Haltungen seine Gesundheit verbessern, was über mehrere Jahre nach und nach geschah. Mit 18 bekam Iyengar einen Auftrag an einer Mädchenschule in Pune zu unterrichten. Seit diesem Zeitpunkt war er auf sich selbst gestellt. Nach größeren anfänglichen Schwierigkeiten machte er mit der Zeit einen Namen für sich. Er selbst berichtete von mehr als 10.000 dreistündigen Yoga-Vorführungen, die er im Laufe seiner Karriere veranstaltete.
BKS_Iyengar_unterrichtetMr. Iyengar heiratete Ramamani im 1943, die 1973 verstarb. Sechs Kinder kamen zur Welt, fünf Töchter und ein Sohn. Die älteste Tochter Geeta und der Sohn Prashant haben in frühen Jahren die Aufgabe angenommen, sich in Yoga zu vertiefen und sind längst ihrerseits international anerkannte Yoga-Meister. Sie leiten schon seit geraumer Zeit das im Jahr 1975 gegründete Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute in Pune und erfahren jetzt Unterstützung aus der nächsten Generation von Enkelin Abhijata Sridhar-Iyengar, die sich ebenfalls schon zu einer Autorität in der Iyengar-Yoga-Welt entwickelt hat.
Nach den ersten Besuchen im kleinen Kreis hat Mr. Iyengar später Europa oft als Gast seiner nationalen Vereine besucht. Nachdem die erste „Internationale Iyengar Yoga Convention“ in San Francisco schon 1984 sowie ein paar mal noch andere große Veranstaltungen in den USA stattfanden, kam das erste Großereignis in Europa 1993 zustande. Damals reisten mehr als 1000 Übende nach London, um über 5 Tage die Gemeinschaft zu zelebrieren und auch neue Impulse des Meisters zu erleben. In Deutschland war Iyengar einmal schon 1986 im kleineren Rahmen in München und dann 1996 für viele Hunderte aus Deutschland und anderen Ländern in Berlin. Sein hiesiger Verein „Iyengar-Yoga-Deutschland e.V.“ wurde 1994 gegründet. Dieser Zusammenschluss versucht Energien der InteressentInnen zu bündeln, Arbeit der LehrerInnen zu koordinieren und Iyengar-Yoga in der Qualität, die von Guruji gemeint war, der Öffentlichkeit besser bekannt zu machen.

Was sind kurz die Merkmale von Iyengar-Yoga?
Worum ging es Guruji Iyengar in seiner Praxis?

• Wichtigkeit der Ausrichtung des Körpers und die Entwicklung vom Körperbewußtsein – Der Versuch den Geist zu bändigen, ohne vorher einen Griff auf den eigenen Körper zu bekommen, wäre ein hoffnungsloses Unterfangen.
• Erkenntnis über Verbindungen im Körper – z.B. wie Festigkeit, Durchlässigkeit und Erdung der Beine die Wirbelsäule entlasten und den Energiefluss verbessern können.
• Betonung auf den inneren Impuls („action“) im Asana, nicht auf Bewegungen oder „Flow“ – Im Verweilen in einer Haltungen kommen wir an den Punkt, „wo der Geist als Brücke zwischen den Muskelbewegungen und den Sinnesorganen in Erscheinung tritt, den Intellekt herbeiruft und diesen mit jedem Teil des Körpers verbindet.“
• Verwendung von Hilfsmitteln (Gurte, Kissen, Blöcke, Stühle, Seile etc.) in der Praxis
– um Schwierigkeiten auszugleichen
– um ein längeres Verweilen zu ermöglichen.
Durch längeres Verweilen dringen die Wohltaten der Praxis tiefer in die organischen und mentalen Ebenen hinein.
• „Yoga ist für jeden!“ – Mr. Iyengar hat von der Jugend bis zu seinem Tod weiter geübt.

Seit Anbeginn an hat er nach Wegen gesucht, Yoga den Menschen bei ihren unterschiedlichen Konstitutionen, in ihren unterschiedlichen Lebens-Situationen möglich und zugänglich zu machen. In Iyengar-Yoga gibt es u.a:

  • die dynamische, stabilisierende Praxis für „normale“ Leistungsfähige
  •  die „Jumpings“ (Sprünge, Surya Namaskar, Flow) für Überschäumende
  •  Yoga als „einen Juwel für Frauen“ (Menstruationspraxis, Schwangerenyoga, Yoga für Menopause)
  •  die regenerative Praxis (gestützt und langgehaltene, öffnende und erdende Haltungen für Erschöpfte, Ältere, Ruhebedürftige
  •  die liegende Pranayama-Praxis als Vorbereitung auf eine ungemein anspruchsvolle sitzende Praxis; für Neue (nach 1-2 Jahren Asana)
  •  die „Medical class“ mit unzähligen (auch teilweise schulmedizinisch dokumentierten) Programmen für Kranke, Verletzte, Leidende. (S. http://www.iyengar-yoga-deutschland.de/iyengar-yoga/copy_of_forschung-und-literatur)

BKS_PadmasanaNach 1960 hat sich Guruji Iyengar zunehmend mit der Spiritualität des Yoga auseinandergesetzt. Einsichten aus den klassisch indischen Werken (Bhagavad Gita, Upanischaden, Hatha-Yoga-Pradipika und insbesondre Patanjali Yoga Sutra) hielt er stets im Hintergrund beim Unterrichten bereit, um sie als Sprungbretter für die Schüler einzusetzen, damit diese tiefer das Erlebnis in der Asana- und Pranayamapraxis begreifen. Seine Reflektionen zu den Yoga Sutras (deutsche Fassung: „Urquell des Yoga“) stellen einen wichtigen Beitrag zum umfassendes Verständnis von Asana als einheitliches Körper-Geist-Seele-Erlebnis.

B.K.S. Iyengar hat sich über 80 Jahre für Yoga und die Weitergabe von Yoga und yogischen Werten eingesetzt. Als er in späteren Jahren zum bescheidenen Wohlstand kam, förderte er freigebig mit allem, was er hat, den Aufbau seines Heimatdorfes, das bis dahin lange darnieder gelegen hat. Eine Schule und ein Krankenhaus ließ er errichten. Die Wiederherstellung eines verfallenen Shiva-Tempels und den Bau des ersten Patanjali-Tempels und anderes mehr hat er angetrieben. Seine einzige Bedingung war, dass in der Schule auch Yoga unterrichtet werden soll.
Nach seinem Tod erzählte Geeta Iyengar bei der Zeremonie zur Einäscherung: „Nur mit seinem Körper ist es vorbei. Die Bemühungen einer einzigen Person, von innen nach außen, haben die Sicht der ganzen Welt auf Yoga geändert. Nichts blieb im Verborgenen seit den Anfängen seiner Praxis bis zu seiner Krankheit und seinem Tod. Sogar gestern Abend hat er Abhijata ermahnt: ‚Ich habe dir all diese Dinge gezeigt. Nun liegt es an Dir, sie für dich selbst zu realisieren.‘
In der letzten Phase zeigte er sich mit seinem Erfolg zufrieden. Seine Arbeit hatte er getan.

Sein Wunsch an uns sei, wenn wir ihn ehren wollen, dass wir uns stets wachsam, ernsthaft und demütig in die Praxis begeben, denn die Körpererfahrung ist das Substrat, in dem unsere emotionale und spirituelle Entwicklung stattfände.

Michael Forbes

BKS_Iyengar_Kapotasana
BKS_Iyengar_Assistiert